Wenn man in der „Cidade de Deus“, der Stadt Gottes – einer der Favelas von Rio de Janeiro – aufwächst, ist die Kindheit früh zu Ende. Was andernorts Bandenspiele sind, ist hier Bandenkrieg – mit echten Waffen.
Hier wachsen der rücksichtslose Dadinho, genannt Locke und der schüchterne Buscapé auf. Um zu überleben, setzt Dadinho auf Kokainhandel, Gewalt und Raubüberfälle. Buscapé hingegen träumt davon Fotograf zu werden. Nach zwanzig Jahren haben beide ihr Ziel erreicht. Dadinho ist Zé Pequeno, der gefürchtetste Drogendealer Rios. In der CITY OF GOD ist sein Wort Gesetz ... bis Mané Galinha auftaucht. Mané wird Zeuge der Vergewaltigung seiner Freundin und beschließt, Zé aus Rache zu töten. Über Nacht scharrt er eine Armee von bewaffneten Kindern um sich, die alle das Gleiche wollen: Zés Tod. In der CITY OF GOD bricht der Krieg aus.
Jenseits der malerischen Urlaubskatalog-Szenerien von Rio, dort wo Gewalt alltäglicher Bestandteil ist, da spult CITY OF GOD seine komplex erscheinende, doch hervorragend zu folgende Geschichte ab. Im Laufe des Plots taucht eine Vielzahl von Charakteren auf, die alle mehr oder minder Einfluß auf den Fortgang der Geschichte haben werden. Für manche ist da Gewalt die einzige akzeptable Form des Ausdrucks. Macht an sich, steht ihnen näher als der daraus resultierende Gewinn.
Der Film ist erstklassig photographiert und inszeniert. Seine dynamische Kamera und schnellen Schnitte sind Bestandteil eines auf Coolness und ansprechende Ästhetik getrimmten Werkes, ohne dabei im Fahrwasser von Tarantino oder irgendwelchen sonstigen hippen Werbe- bzw. Musikvideo-Fuzzis unreflektiert mitzuschwimmen. Der Regisseur hat es verstanden einen eigenständigen und dazu adäquaten Stil zu kreieren.
Alles in allem ist er intelligentes, mitreißendes Filmgut das viel zu selten geworden ist. CITY OF GOD ist nicht nur eines der Highlights dieses Kinojahres, sondern zweifellos auch einer der besten Filme der letzten Jahre.