Irgendwo in den Südstaaten der USA in den 90ern: Die
frustrierte Ehefrau Evelyn (Kathy Bates) lernt bei einem nicht ganz erfolgreichen Besuchsversuch bei ihrer Schwiegertante im Altenheim die rüstige Ninny
(Jessica Tandy) kennen. Ungefragt erzählt diese ihr eine Geschichte aus ihrem bewegten Leben. Eine Geschichte über die Freundschaft von Idgie (Mary
Stuart Masterson) und Ruth (Marie-Louise Parker), die in den 30er Jahren ein kleines Restaurant in Alabama betrieben haben. Eine Freundschaft, die viele
Widerstände und Rückschläge überdauert hat.
Auch der zweite Besuch in jenem Heim verläuft wie eben jener erste und Evelyn wird langsam von den Leben von Idgie, der Bienenbetörerin, und Ruth sowie den Begebenheiten rund um das „Whistlestop Café“ eingenommen. Das Beispiel Idgie gibt Evelyn in ihrem eintönigen
Leben mehr und mehr die Kraft und den Mut sich zu emanzipieren und ihr Leben erfolgreich in die Hand zu nehmen. Bald schon kann sich Evelyn ein Dasein ohne
ihre neue Freundin Ninny und die Erzählungen über Liebe, Tod, Freundschaft,
Selbstbestimmung und Mord nicht mehr vorstellen und sie macht sich alleine für den Besuch der Geschichtenerzählerin auf den Weg.
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„Grüne Tomaten“ sind nicht nur die Spezialität des Whistlestop Cafés, sondern ein grandioses filmisches Meisterwerk der 90er Jahre, welches nun endlich auf DVD veröffentlicht wurde.
Dieser Film ist ein Drama, dessen Thematik sich nicht so einfach erfassen lässt: Eine Geschichte über das Geschichtenerzählen, eine Geschichte über die Freundschaft, über Unterdrückung und
Emanzipation, über die Trauer und den Tod, über Liebe und Haß - eine Geschichte über das Leben.
Regisseur Jon Avnet wollte unter anderem eine Hommage an die alte Tradition der mündlichen Überlieferung schaffen, die besonders im Süden der USA gepflegt wurde. Dies ist für sich betrachtet in der heutigen Zeit digitaler Medien, irgendwo zwischen Globalisierung und individueller Vereinsamung, ein interessantes Unterfangen. Doch gemeinsam mit seinen hervorragend
agierenden Darstellern hat er diese Hommage mit einer grandiosen Geschichte verknüpft, die alle Facetten eines Lebens widerzuspiegeln scheint.
Mit überraschenden Wendungen, Geheimnissen und einer einfühlsamen Beobachtungsgabe werden die Charaktere durch die Handlung respektive deren Leben begleitet. Mühelos werden Liebe, Trauer, Rassenhaß, Sehnsucht,
Opferbereitschaft, Unterdrückung und Selbstbestimmung, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, verwoben. Selbst die Widersprüche, welche das Leben birgt, werden hier locker gemeistert: Idgie, die gotteslästerlichste Person, welche den weitesten Bogen um die Kirche macht, hat eigentlich mit das größte Herz von allen und avanciert somit zum Freund der Unterdrückten. Um die Ironie zu vollenden, wird eben jenes laute Schandmaul in der Stunde der größten Verzweifelung von einem Diener Gottes mit beinahe weltlicher List errettet.
* Jon Avnet ist mit der Umsetzung des Stoffes von Fannie Flaggs Weltbestseller etwas gelungen, was nur wenige Literaturverfilmungen vermögen: Eine Geschichte zu erzählen, die derart gefangen nimmt, daß man zwei Stunden lang vom Film total aufgesogen wird und nach dem Ende am liebsten noch einmal von vorne beginnen möchte. Eine Geschichte, die beim fünften Ansehen noch genauso berührt, wie beim ersten Mal und wahrscheinlich auch beim zehnten oder zwanzigsten Mal absolut nichts von ihrer Wirkung verliert. Damit erhebt sich „Grüne Tomaten“ nicht nur über das Gros der besten Literaturverfilmungen, sondern über die meisten Filme und schafft sich einen Platz zwischen den
absoluten Meisterwerken dieses Kunsthandwerks. Dabei läßt sich der besondere Charme der „Fried Green Tomatoes“ nicht einmal rational begründen. Das Geheimnis liegt möglicherweise in uns selbst oder eventuell, wie es uns die Protagonisten erklären, immer nur in der Soße... Ein absolutes Muß für alle Freunde des ganz großen Gefühlskinos. *
Kinowelt präsentiert die langersehnte DVD mit dem Film in Widescreen (1,85:1), die Tonspuren liegen in Englisch und Deutsch jeweils
in Dolby Digital 2.0 vor. Als Extras sind 4 Kurzinterviews mit den Hauptdarstellern und dem Regisseur, eine knapp vierminütige Featurette und der Original-Trailer enthalten. |