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Samstag, 15.11.2003 18:17
REVIEW: Die Regeln des Spiels


Ein Review von Philip Ridley


Filminhalt

Am renommierten Camden College in New England treffen sich die reichen und gelangweilten Kids der Wohlstandsgesellschaft: der drogendealende Schönling Sean Bateman, der intelligente und schwule Zyniker Paul Denton und die zerbrechliche und jungfräuliche Lauren Hynde. Als die Drei aufeinanderprallen, ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten für sexuelle Misskommunikation, Drogenexzesse und Gefühlschaos von erstaunlichem Ausmaß.

Daten

Label:  Eurovideo Bildprogramm GmbH
VÖ-Datum:  13.11.2003
Genre:  Drama
Regie:  Roger Avary
Darsteller:  James van der Beek, Shannyn Sossamon, Kip Pardue, Jessica Biel
FSK:  16
Laufzeit:  ca. 106 min.
Ton:  
  • Deutsch: Dolby Digital 5.1
  • Deutsch: Dolby Digital 2.0
  • Englisch: Dolby Digitel 2.0
  • Untertitel:  Deutsch (in OF nicht ausblendbar)
    Bildformat:  1,77:1 (16:9) anamorph
    DVD-Typ:  1 x DVD-9
    Regionalcode:  2
    Verpackung:  Amaray Case
    Extras:  Fehlanzeige
    Weitere Informationen:  Bisher nur als Verleih DVD erhältlich.

     
     

    Bewertung des Bildes

    Die Bildqualität kann sich sehen lassen. Der Kontrast ist sehr gut, die Bildschärfe weist zwar gelegentliche Schwankungen auf und wirkt verwaschen, doch störend ist dies kaum. Bildrauschen gibt es keines und sonstige Fehler waren auch nicht zu entdecken.

    Wertung: 85 %

    Bewertung des Tons

    Während der Film läuft, kann man nicht mehr die Tonspur wechseln. Der User muss jedesmal erst zurück in das Hauptmenü. Sehr umständlich und wenig anwenderfreundlich. Die englische Originalfassung gibt es leider nur als Dolby Digital 2.0 und mit nicht ausblendbaren deutschen Untertiteln. Warum es keine DD 5.1 gibt, bleibt vorerst ein Geheimnis. Sie sind aber wohl eben so wie die festen UTs auf finanzielle Gründe zurückzuführen.

    Die Dialoge sind in allen Spuren klar und deutlich. Der Film ist auf Dialoge ausgerichtet und bietet demnach keine Soundorgien. Einige wenige Effekte und der reichhaltige Soundtrack, sind die einzigen Gelegenheiten, die einen gewissen Raumklang aufkommen lassen. Dabei werden dann auch alle Boxen angesprochen. Lediglich der Subwoofer kommt den ganzen Film über zu kurz. Von ihm ist sehr wenig zu hören. Insgesamt also unspektakulär und verhalten, aber effizient und angemessen.

    Wertung: 80 %

    Bonusmaterial

    Keines. Lediglich 3 Trailer für andere Filme von EUROVIDEO sind vorhanden. Das ist in der Tat mehr als schwach. Null Punkte.

    Da dies eine Leih-DVD ist, kann man nur hoffen, daß der Verleih sich für die Kaufversion an der RC 1 Variante orientiert. Diese hat einen Audiokommentar mit Cast und Crew, sowie ein Making of aus der Reihe „Anatomy of a Scene“.

    Wertung: 0 %

    Fazit

    Zwei Jahre nach „LESS THAN ZERO“ (1985, auf dt.: „Unter Null“) und vier Jahre vor „AMERICAN PSYCHO“ (1991) schrieb Bret Easton Ellis bereits „THE RULES OF ATTRACTION“ (1987, „Einfach unwiderstehlich!“). Nun, im Jahre 2002 verfilmte Roger Avary, Mit-Autor von „PULP FICTION“ und Regisseur von „KILLING ZOE“, Ellis kontroversen Roman über die Cliquenwelt eines Ostküsten-Colleges und wagt das eigentlich fast unmögliche. Einen episodenhaften und mehr oder minder unverfilmbaren Bestseller auf die große Leinwand zu bringen.
    Roger Avary fand einen, dem Roman weitestgehend entsprechenden, Stil, um zu verdeutlichen wie Fantasie und Realität sich vermischen. Er spult den Film einfach zurück, um das gerade Gesehene noch einmal aus anderer Perspektive zu beleuchten, aus der jener Moment neu und oftmals diametral bewertet wird.

    Stilistisch unkonventionell inszeniert, erweist sich der Film als nicht ganz einfach zu betrachtendes Werk. Es gibt keine Identifikationsfigur, der man folgen könnte. Ständig wird die Erzählperspektive - wie schon im Buch - gewechselt und alle, aber auch alle Charaktere sind innerlich kaputt, emotionell zutiefst gestört, egoistisch und doch manchmal verletzlich. Hinter der materialistischen Oberflächlichkeit werden , mehr oder minder ernsthafte, suizidale Tendenzen und unerfüllte bzw. irrationale Lieben entlarvt. Ein Großteil des Filmes macht aus, zu beobachten wie sie verzweifelt versuchen, ihre innere Leere und unendliche Langeweile zu füllen und ständig daran scheitern.
    Obwohl es am College spielt, kommt Unterricht nie vor. Der Ort der Bildung, weist nicht eine einzige educative Handlung auf. Alle hangeln sich von Party zu Party. Selbst die ‚Samstagabend-Party‘ hat eine ‚Vorbereitungs-auf-den-Samstagabend-Party-Party‘.

    Es ist keine kultur- oder gesellschaftskritische Studie, sondern vielmehr eine eher ironische Betrachtung, eine Satire und – wie alle Romane von Bret Easton Ellis - überhöht, überspitzt, urkomisch und zugleich traurig, wenn auch so etwas wie Mitleid nie aufkommt. Eine Generation in einem scheinbar hoffnungslosen Rausch zwischen Alkohol, Drogen und Sex (wobei alle sexuelle Kontakte austauschbar sind, wenn nicht der eine, dann eben der andere, der nächste, usw.).

    James van der Beek, als Sean Bateman, spielt fleißig gegen sein biederes und nettes Image, daß er durch „DAWSONS CREEK“ als eben jener titelgebender Dawson erworben hat. Sean ist übrigens der literarische Bruder von Patrick Bateman, dem Killer aus „AMERICAN PSYCHO“. Die Verweise auf das Geschwisterpaar zieht sich in den Büchern von Ellis durch einige Werke. Auch die anderen Darsteller liefern eine gute bis eindringliche Performance ab. Das zurückhaltende Spiel unterstützt das Flair und die Atmosphäre des ganzen Werkes.

    Ein kurzer Vergleich zum Buch soll auch nicht fehlen. Neben der Verkürzung und der Vereinfachung der komplexen Romanhandlung, ist die literarische Vorlage ohne Zweifel böser, subversiver und allgemein negativer als der Film. Die Charaktere erscheinen hier glatter, sauberer und positiver. Sie haben deutlich weniger sexuelle Kontakte und bei Lauren Hynde, wurde aus einer promiskuitiven jungen Dame mit einer Abtreibung, eine jungfräuliche, wenn auch koksende, Idealistin.
    Die Charaktere sind teilweise anders, mehrere Figuren aus dem Buch vereinen sich in einer Person im Film, die sexuelle Ausrichtung ist klarer gestaltet, im Buch sind die Grenzen fließender. All dies bewirkt, daß der Film positiver wirkt und so eher publikumsfreundlich wird (Über den Sinn läßt sich streiten, da der Streifen letztendlich immer noch krass in seiner Darstellung bleibt und kaum für die Masse taugt).
    In den USA bekam „THE RULES OF ATTRACTION“ ein vernichtendes NC-17. Für das R-Rating mußte Regisseur Roger Avary einige Sachen entfernen. Im Ausland wurde die intendierte Fassung gespielt. Diese unrated Version ist gleich der deutschen FSK 16, wie sie hier vorliegt.

    Als „‘Der Fänger im Roggen‘ für die MTV-Generation“, bezeichnete USA TODAY diesen Film. Nun, was die Klasse angeht, mag das stimmen. Was jedoch den zukünftigen, also auch dauerhaften Wert für die Kultur oder allgemein für das Selbstverständnis der Jugend angeht, bezweifel ich dies stark.

    Roger Avary schuf ein kleines Kunststück, da wundert es kaum, daß er für die Regie von Bret Easton Ellis letzten Roman „GLAMORAMA“ vorgesehen ist. Wer dieses Werk kennt, weiß um die Herausforderung. Das Kinojahr 2004 wird so um ein Stück interessanter und deshalb ....

    Gesamtwertung: 85 %

    Test-Equipment:  
    DVD-Player:  Panasonic DVD-RV 60
    TV-Gerät/Beamer:  Grundig MW 82-2690
    Verstärker:  Kenwood KRF-V 5010
    Front-Speaker:  Arcus Panorama ST
    Center-Speaker:  Arcus Panorama CT
    Rear-Speaker:  Arcus Panorama R
    Subwooofer:  Arcus Panorama SB


    Amango





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