Dienstag, 05.08.2003 10:35
REVIEW: Ein Königreich für ein Lama - Special Collection


Ein Review von Thomas Scholz


Filminhalt

Herrscher Kusco steht im Mittelpunkt seines südamerikanischen Bergkönigreichs. Das Wohlergehen des jungen Monarchen ist oberstes Staatsziel. Nur wenn es ihm gut geht, haben seine Untertanen ihren Zweck erfüllt. Da werden auch schon mal alte Großväter aus dem Palastfenster geworfen, wenn sie den „Groove“ des ausgeflippten Inka-Königs stören. Doch seine Beraterin Isma neidet ihm den Thron. Schnell hat die machthungrige Giftmischerin ein Komplott erdacht, um den jungen Kusco zu ermorden. Aber ihr schusseliger Assistent Kronk vermasselt es: Statt am tödlichen Gift zu sterben, wird der König in ein Lama verwandelt und landet orientierungslos im Dschungel.
Als frisch gebackener Vierbeiner ist das Leben jedoch nicht leicht. Da kommt Kusco die Hilfe des gutmütigen Bauern Patcha gerade gelegen. Dieser soll ihm helfen, zum Palast zurück zu kommen. Aber Patcha weigert sich. Denn Kusco hat sein Dorf zum Abriß freigegeben – auf dem Gelände soll in Zukunft das königliche Sommerhaus stehen. Bei der abenteuerlichen Verfolgungsjagd über Wasserfälle, Felsabgründe und Krokodilbecken jedoch lernt Kusco die Bedeutung von Freundschaft kennen. Und das ist auch gut so: Isma ist ihm auf den Fersen.

„Ein Königreich für ein Lama“ (The Emperor’s New Groove) ist einer der schrillsten Zeichentrickfilme, die Disney je auf den Markt gebracht hat. Gags und Story sind mehr etwas für Erwachsene mit Spaß am Skurrilen als für Kinder mit Lust auf Märchen. Aber für Zuschauer mit dem richtigen Humor bietet der Film ungeahnte Lacher. Die herrschsüchtige Isma und ihr gutherziger Gehilfe Kronk bieten durch ihre ungewöhnliche Kombination schon genügend Unterhaltungswert, um den Film von der Masse abzuheben. Das egozentrische Weltbild des sprechenden ‚Lamas’ Kusco tut das Übrige dazu, um die Handlung nie vorhersehbar werden zu lassen. Ideale Grundlage dafür ist zweifelsfrei die Selbstironie des Films: Kaum eine Szene, in der die Story sich nicht selbst auf den Arm nimmt. Ganz ohne Gesang bietet das „Königreich für ein Lama“ somit einen Disney-Spaß, der aus der Reihe fällt.

Daten

Label:  Buena Vista Home Entertainment
VÖ-Datum:  07.08.2003
Genre:  Zeichentrick
Regie:  Mark Dindal
Darsteller:  
FSK:  o. A.
Laufzeit:  ca. 75 min.
Ton:  
  • Deutsch: Dolby Digital 5.1
  • Englisch: Dolby Digital 5.1
  • Türkisch: Dolby Digital 2.0 Surround
  • Untertitel:  Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch
    Bildformat:  16:9 (1.66:1) anamorph
    DVD-Typ:  1 x DVD-9
    Regionalcode:  2
    Verpackung:  Amaray Case
    Extras:  
  • Kinotrailer
  • Interview mit Michael "Bully" Herbig
  • Lama-Spiel
  • Hinter den Kulissen: "Entdeckungsreise nach Peru", "Einblicke in die Technik", "Entstehung der Figuren"
  • Zusätzliche Szene: "Die Zerstörung von Patchas Dorf wird geprobt" (OmU)
  • Original-Kommentar des Regisseurs mit deutschen Untertiteln
  • Stings Musikvideo "My Funny Friend an Me" wie auf dem "The Emperor's New Groove"-Soundtrack
  • Musikvideo: "Walk the Llama Llama"
  • Zum Mittanzen: "Walk the Llama Llama"
  • Trailershow
  • Weitere Informationen:  

     
     

    Bewertung des Bildes

    Sehr ansprechend können sich das „Lama“ und seine Freunde in Szene setzen. Das Bild entspricht ganz den Erwartungen, die man an einen Film eines Hollywood Major Studios aus dem Jahr 2000 hat. Die Farben sind nahezu perfekt. Der Kontrast ist vorbildlich. Defekte an der Vorlage, die so genannten „Dropouts“, sind nicht zu finden. Rauschen ist kaum festzustellen, und nur in einigen Palastszenen kann man ganz vereinzelt Muster- und Kantenflimmern feststellen. Artefakte gibt es ebenfalls kaum zu bemerken. Die Schärfe des Bildes ist fast perfekt – aber eben nur fast. Trotzdem insgesamt eine sehr gute Leistung. Der optische Eindruck überzeugt.

    Wertung: 85 %

    Bewertung des Tons

    Sowohl der englische Originalton als auch die deutsche Tonspur sind qualitativ hochwertig. Klarer Ton, passende Filmmusik und exzellent ausgewählte Sprecher zeichnen beide Versionen aus. Bei einer Zeichentrickkomödie sind naturgemäß nicht viele Soundeffekte zu erwarten, und so überrascht es auch nicht, daß die Surroundboxen sich nur selten in das Geschehen einmischen. Wenn es passiert, sind die Effekte präzise zu orten und sehr stimmig umgesetzt. Ein Hörerlebnis, das rundum solide ist.

    Wertung: 75 %

    Bonusmaterial

    Hier gibt es einiges für den Lama-Freund. Drei kurze Berichte über die Arbeit „Hinter den Kulissen“ einer Disneyproduktion informieren über einige der Arbeitsschritte zu einem abendfüllenden Zeichentrickfilm. Der Kinotrailer fand ebenso den Weg auf die silberne Scheibe wie zwei Musikvideos – eins von Altmeister Sting, der mitverantwortlich für die Musik zum Film ist - ein Dance-Along Video sowie ein interaktives Spiel. Abgerundet wird das Ganze durch ein Interview mit der deutschen Synchronstimme von Kusco, Michael „Bully“ Herbig, sowie dem Audiokommentar der Produktionscrew. Alles in allem eine anständige Zugabe zum Hauptfilm.
    Ärgerlich ist, daß ein Wechsel der Tonspur nur über das Hauptmenü gemacht werden kann. So etwas muß wirklich nicht sein.

    Wertung: 75 %

    Fazit

    Die „Special Collection“ von „Ein Königreich für ein Lama“ ist gelungen. Obwohl nicht im üblichen Stil der ehemaligen Märchenschmiede Disney, begeistert der Film durch seine erfrischende Andersartigkeit. Wo bei den üblichen Produktionen des Traditionsstudios die heile (Film-)Welt geradezu überläuft vor honigsüßen Glücksgefühlen, findet man im „Emperor’s New Groove“ beißenden Sarkasmus und Ironie. Eine gelungene Abwechslung für alle, die dem Disney-Standard einmal entfliehen wollen.
    Gegenüber der Erstauflage des Films hat sich jedoch nichts verändert. Die Datenraten für Bild und Ton sind gleich, das Bonusmaterial ist identisch, die Menüs sind exakt übernommen worden. Wer also die alte Scheibe besitzt, kann getrost dabei bleiben. Für alle anderen ist die Neuauflage wieder eine Gelegenheit, den Eintritt in das „Königreich für ein Lama“ zu ziehen.

    Gesamtwertung: 80 %

    Test-Equipment:  
    DVD-Player:  Red Star 230E
    TV-Gerät/Beamer:  Grundig MFW 82-3110 MV/Dolby
    Verstärker:  Denon AVR-1803
    Front-Speaker:  JVC
    Center-Speaker:  JVC
    Rear-Speaker:  JVC
    Subwooofer:  Yamaha YST-SW320


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